
Science Academy 2010 in Adelsheim
Nach 2004 und 2007 (vergleiche dortige Berichte) durfte ich 2010 an der mittlerweile 8. Science Academy Baden-Württemberg teilnehmen. Vom Eröffnungswochenende im Juni bis zum Verlassen der Akademie im Oktober wuchsen 72 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie rund 25 Personen des Kursleitungsteams zu einer großen Einheit zusammen. In 6 verschiedenen Arbeitsgruppen wurden wissenschaftliche Fragestellungen bearbeitet. 2010 standen hierbei folgende Kurse zur Auswahl:
1. Astronomie – Aufbruch zum Mars: Wir erforschen den roten Planeten
2. Chemie: Koffein – eine legale Droge?
3. Molekulare Genetik (bilingual)
4. Informatik: Pinball, Breakout & Friends
5. TheoPrax
6. Philosophie

Über all den Kursen schwebte das kursübergreifende Motto des Gottes Kairos. Der griechische Gott steht für eine besondere, günstige Gelegenheit im Leben, die einem neue Möglichkeiten eröffnet und dem Leben eine neue Wendung verschaffen kann. Man muss jedoch darauf hinarbeiten und, wenn Kairos dann auftaucht, ihn selbst am Schopf packen. Verpasst man diesen Moment, so wird man ihn nicht mehr greifen können, denn Kairos hat am Hinterkopf eine Glatze. Ob nun jedem von uns Kairos begegnet ist, weiß ich natürlich nicht. Sicher ist aber, dass es dafür eine Reihe von Chancen gab. Neben dem Kennenlernen von ganz neuen Arbeitsgebieten ergaben sich enge Freundschaften, die über die Akademie hinausreichen.

Da jeder der oben genannten Kurse mit 12 Teilnehmern besetzt wurde, durfte man im Vorhinein 3 Kursvorschläge abgeben. Für mich war Molekulare Genetik am interessantesten, gefolgt von Chemie und Astronomie. Sehr erfreut war ich, als mir mitgeteilt wurde, dass ich in der Science Academy meiner Erstwahl nachgehen durfte, was, wie sich später im Gespräch mit anderen Akademieteilnehmern herausstellte, nicht jedem vergönnt war.
Da der dreigliedrige Ablauf der Science Academy (Eröffnungswochenende, zweiwöchige Sommerakademie sowie das Dokumentationswochenende) schon von Tillmann Wurz ausführlich beschrieben wurde und sich daran auch nichts geändert hat, beschränke ich mich auf unsere Kursarbeit.
Die zweiwöchige Sommerakademie lässt sich für unseren Genetikkurs grob in zwei Abschnitte unterteilen. In der ersten Woche konnten wir im Biolab, einem mobilen Hightech Labor, praktische Versuche rund um die DNA machen.

Unter anderem haben wir DNA isoliert, vermehrt (Polymerase Chain Reaktion), sichtbar gemacht (genetischer Fingerabdruck) und verändert (Genmanipulation). Diese Versuche wurden jeweils in Zweiergruppen durchgeführt.
Dass ein wichtiger Bestandteil der Kurse nicht nur das wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch die Präsentation der Ergebnisse beinhaltete, durften wir am Ende der ersten Woche im Rahmen der sogenannten Rotation feststellen. Hierbei informierte jede der sechs Gruppen die anderen über die bisherigen Ergebnisse.
Nachdem wir uns theoretisch und praktisch mit der Molekulargenetik beschäftigt hatten, ging es in der zweiten Woche um Risiken, Chancen und Anwendungen der Gentechnologie. Mit dem Verstehen der DNA ergaben sich vollkommen neue Möglichkeiten zur Identifizierung von Kapitalverbrechen. Dies konnten wir erfolgreich anhand eines gestellten Mordes auf dem Campus durchführen.
Ein weiteres positives Anwendungsgebiet der Genforschung wurde uns bei unserem Besuch im Deutschen Krebsforschungszentrum der Universität Heidelberg gezeigt. Kontrovers diskutierten wir die Einsatzmöglichkeiten der Gentechnologie im Bereich der Landwirtschaft. Dafür, dass neben all dem Arbeiten auch der Spaß nicht zu kurz kam, sorgten die KüAs (kursübergreifende Angebote), die man morgens, mittags und abends besuchen konnte. In 2010 gab es folgende Angebote: Musik, Theater, Joggen, Zeitung, Traumreise, Physik, Diabolo, Töpfern, Hip-Hop, Backen, Tanzen und Sport.

Für Auflockerung des Tagesablaufes sorgten darüber hinaus Veranstaltungen wie das Sportfest, der Grillabend, das Bergfest und der Abschlussabend. Bei letzterem präsentierten die einzelnen Gruppen das Ergebnis ihrer zweiwöchigen wissenschaftlichen Arbeit den anderen Kursteilnehmern und den hierzu speziell eingeladenen Eltern.
Diese zwei Wochen waren für mich eine einzigartige Erfahrung: Es war sicher kein Urlaub, aber eine Zeit, die ich nicht missen wollte, da mir unglaublich viel Neues geboten wurde, ich neue Freunde fand und auch schon einen Blick auf die Zeit nach der Schule werfen durfte.
Vielen Dank allen, die dazu beigetragen haben.
Prädikat: absolut empfehlenswert!
Paul-Philipp Warth